Stuttgart-Sign: Ein Zeichen für die Zukunft der Stadt
Im Gespräch mit dem Stuttgart-Marketing-Chef wird deutlich, dass das geplante Stuttgart-Sign nicht nur ein Projekt ist, sondern ein Zeichen für die Stadtentwicklung.
Es ist ein eher unscheinbarer Moment, der sich mir auf einem meiner letzten Spaziergänge durch Stuttgart offenbarte. Ich stand an der Ecke zwischen der Königstraße und dem Schlossplatz, umgeben von dem geschäftigen Treiben, als ich plötzlich auf einen Architektenplan stieß, der dort für Passanten ausgebreitet war. Darauf zu sehen: das geplante Stuttgart-Sign. Eine kleine Gruppe von Passanten schien die Skizzen zu studieren, die mit knalligen Farben und futuristischen Formen um die Gunst der Bürger warben. Es war dieser flüchtige Augenblick, in dem ich erkannte, dass sich hier etwas zusammenbraute, etwas, das über die ästhetische Anziehungskraft hinausging.
Die Idee hinter dem Stuttgart-Sign ist mehr als nur ein architektonisches Statement. Weder handelt es sich um einen verblassten Versuch, die Schönheit der Stadt zu bewahren, noch um eine übertriebene Vision eines Werbesymbols. Der Stuttgart-Marketing-Chef hat es gut auf den Punkt gebracht: "Ich will deutlich unter 470.000 Euro bleiben." Ein Satz, der wie ein Mantra durch den Raum schwebt und gleichzeitig das gesunde Augenmaß widerspiegelt, das notwendig ist, um in der heutigen Zeit ein neues Projekt zu entwickeln. 470.000 Euro – für den einen mag es viel erscheinen, für den anderen kaum mehr als ein Taschengeld.
Der witzige Teil dieser Preisvorstellung ist die Tatsache, dass es in der Architektur oft um Mehrwert geht. Man fragt sich, ob man wirklich für einen Preis von unter 470.000 Euro ein Zeichen setzen kann, das über die Jahre hinweg bestehen bleibt. Immerhin sind wir in einer Stadt, die für ihre Traditionsbewusstheit und ihren Reichtum an Geschichte bekannt ist. Ein schlichtes Schild scheint da fast lächerlich, wenn man die majestätischen Bauwerke in der Umgebung betrachtet. Dennoch offenbart es auch eine clevere Herangehensweise: Wie viel kann man für eine Idee zahlen, die vielleicht nicht immer greifbar ist, aber dennoch das Stadtbild prägt?
In dieser Phase der Planung wird nicht nur das Design diskutiert, sondern auch das, was es symbolisieren soll. Stuttgarter sollen sich mit dem Projekt identifizieren können. Das Stuttgart-Sign könnte, so die Überlegung, eine Art Brücke zwischen den verschiedenen Stadtteilen schaffen, ein gemeinsamer Nenner, der das „Wir“ in einem immer diverser werdenden Stuttgart fördern könnte. Man fragt sich, ob es tatsächlich genug Substanz hat, um eine Versammlung der Kulturen zu einem schlichten Zeichen zu erheben.
Das Gespräch mit dem Marketing-Chef selbst war erfrischend. Eine Abwechslung zu den oft so trockenen Präsentationen, die man bei solchen Gelegenheiten gewohnt ist. Der Mensch hinter der Planung wirkt pragmatisch und visionär zugleich. Es scheint fast, als ob er mit einem ironischen Unterton auf die Herausforderungen reagiert, die mit der Umsetzung eines neuen Projekts einhergehen. Der Widerspruch zwischen Budget und Vision wird in der Planung unweigerlich sichtbar.
Doch trotz der Herausforderungen, die sich auftun, gibt es auch eine gewisse Aufregung im Raum. Man spürt die Motivation, die mit der Vorstellung einhergeht, einem neuen Wahrzeichen Leben einzuhauchen, das nicht nur von Architektur spricht, sondern auch von der Identität der Stadt. Stuttgart hat in der Vergangenheit viele Dinge hinter sich, die sowohl gut als auch schlecht waren – von der Automobilindustrie bis zur Kulturbewegung. Der kreative Impuls, etwas Neues zu schaffen, umrahmt von einem funktionalistischen Ansatz, könnte der Stadt die Identität zurückgeben, die sie in der Hektik des modernen Lebens zu verlieren scheint.
Es liegt eine gewisse Ironie in der Tatsache, dass ein Ort, der oft für seine Strukturen und Traditionen kritisiert wurde, nun Schritt für Schritt in die Zukunft aufbricht. Das Stuttgart-Sign könnte in der Tat ein Wegweiser zu dieser neuen Identität sein – ein Zeichen, das sowohl lokal verankert als auch weltweit verständlich ist. Vielleicht wird es das neue Symbol für eine Stadt, die sich auf den Weg gemacht hat, sich selbst neu zu definieren, während sie gleichzeitig die Vergangenheit ehrt.
Der Moment am Schlossplatz, der zunächst so unbedeutend schien, wird so zu einem Ausdruck dieser Transformation. Dort, wo Menschen stehen und Pläne studieren, könnte in naher Zukunft ein Zeichen entstehen, das die Seele Stuttgarts in einem neuen Licht erscheinen lässt. Ein Zeichen, das, so paradox es auch klingt, unter 470.000 Euro einen unausweichlichen Wandel herbeiführen könnte.